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Vorbemerkung

Wie im Kapitel "Makrofotografie" bereits geschildert, stand für die Projektarbeiten ein begrenzter Fundus von Hardware zur Verfügung. Die hier beschriebenen optischen Geräte, Kameras, Objektive und das entsprechende Zubehör konnten für das Projekt genutzt und getestet werden. Ihre Auswahl basiert im Wesentlichen auf ihrer Verfügbarkeit und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Andere Hersteller bieten vergleichbare Hardware an, die wir nicht getestet haben. Daher sind die folgenden Ausführungen nicht als Kaufempfehlungen zu verstehen, sondern sollen vielmehr über den Vergleich der technischen Daten Entscheidungshilfen bei der Zusammenstellung einer geeigneten bzw. auf die eigenen Anforderungen abgestimmten Ausrüstung bieten, unabhängig von Kamerasystem und Hersteller. Die hier präsentierten Ergebnisse basieren auf den von uns gemachten Erfahrungen während der Projektlaufzeit und sind in vielen Fällen in "try and error"-Versuchen gemacht worden, auch wenn im Bereich Makrofotografie teilweise jahrzehntelange Erfahrungen vorliegen, auf die generell und für bestimmte Aufnahmesituationen zurückgegriffen wurde. Vor allem für die relativ neue Technik des Stackings wurden im Vorfeld umfangreiche Recherchen durchgeführt, Kollegen an anderen Häusern interviewt, verfügbare Erfahrungsberichte und Literatur gesichtet und für eigene Tests nachvollzogen. Auch nach Ablauf der Förderphase von DifA wird dieses Wiki weitergepflegt und mit künftigen Erkenntnissen und Erfahrungen entsprechend erweitert und ergänzt.

Arbeitsplatz

Ein dauerhaft eingerichteter Arbeitsplatz mit einem Tischstativ ist zu empfehlen. Schon bei der Auswahl des Arbeitstisches, ja selbst des Raumes, ist auf größtmögliche Stabilität von Tisch und Fußboden zu achten. Vibrationen können auch bei Gel-gelagerten Objekten leicht entstehen, wenn während des Stackingprozesses Personen am Arbeitsplatz vorbeigehen oder an benachbarten Tischen hantieren, wenn Schränke, Türen oder Fenster geöffnet und geschlossen werden usw. Bei der starken Vergrößerung, mit der gearbeitet werden muss, können selbst geringfügige, für den Menschen nicht wahrnehmbare Vibrationen zu Verwacklungen bei den Aufnahmen führen. Unter ungünstigen Umständen können selbst relativ weit entfernte Bewegungen wie auf der Straße vor dem Gebäude vorbeifahrende LKW oder Straßenbahnen, Bauarbeiten in der näheren Umgebung usw. die Aufnahmequalität negativ beeinflussen. Eine möglichst stabile und ruhige Arbeitsumgebung ist deshalb eine wichtige Voraussetzung.

Es erwies sich als günstig, das Tischstativ auf einer knapp 1 cm dicken Gummimatte ("Antivibrationsmatte") zu platzieren.

Gummimatte 2Y6A9528-m1 2000px.jpg


Für die Vorbereitung des Materials (Entnahme aus den Aufbewahrungsbehältern, Überführung in geeignete Behälter für die Fotografie und Ausrichtung) ist ein Arbeitsplatz mit Binokular notwendig, der sinnvollerweise im selben Raum wie der Foto-Arbeitsplatz eingerichtet wird, um die Transportstrecke so gering wie möglich zu halten. Im Idealfall richtet man beides auf einer entsprechend großen (breiten) Arbeitsfläche oder auf benachbarten Tischen ein.

Workflow

  1. Wenn man frisches Material hat, sollte man versuchen, dieses noch vor der Konservierung in Ethanol zu fotografieren. Es ist auf diese Weise mit viel weniger Aufwand verbunden, gute Aufnahmen zu erzielen.
  2. Sollte es nicht möglich sein, das Material noch in frischem Zustand zu fotografieren, sollte man, wenn möglich, die Tiere nicht lebend in die Konservierungsflüssigkeit geben. Im Todeskampf verdrehen und verkrampfen sich die Tiere in später kaum zu korrigierender Weise. Besser ist es, die Tiere zuvor beispielsweise durch Einfrieren oder CO2-Begasung abzutöten und erst dann in die Konservierungsflüssigkeit zu überführen. Solche "sanft" getöteten Tiere behalten meist eine natürliche Körperhaltung und sind später leichter für die Fotografie vorzubereiten.
  3. Grundsätzlich sollte vor der Überführung von flüssigkonservierten Arthropoden in die manuelle Fixierflüssigkeit darauf geachtet werden, dass die Präparate möglichst frei von Schmutzpartikeln sind, Gegebenenfalls müssen die Präparate zuvor noch einmal mit Alkohol gespült werden. Insbesondere bei Isopoden sind oft erhebliche Mengen Schmutzpartikel zwischen den Pleopoden eingelagert.
  4. Welche Fixierungsflüssigkeit (z.B. Handdesinfektions-Gel, Agarose-Gel letztlich verwendet wird, muss jeder für sich und dem Präparat entsprechend entscheiden.
  5. Ist das Präparat in die manuelle Fixierflüssigkeit in einem geeigneten Gefäß überführt, muss es den Ansprüchen entsprechend ausgerichtet werden. Am besten gelingt dies unter einem Binokular mithilfe von feinen Präpariernadeln.
  6. Nachdem das Präparat entprechend ausgerichtet ist, muss es vorsichtig zur Fotostation verbracht und dort eventuell nochmals leicht nachjustiert werden.
  7. Nun können mit der zur Verfügung stehenden Hardware die Aufnahmen gemacht werden.
  8. Nach Abschluss der fotografischen Dokumentation müssen die Präparate der manuellen Fixierflüssigkeit entnommen und in Ethanol aufgereinigt werden. Je nach Art ist das unterschiedlich aufwendig. Zum Beispiel sind unbehaarte Arthropoden leichter zu reinigen als behaarte. Bei manchen Arten reicht ein Schwenken in Ethanol, bei anderen muss mit einem feinen Pinsel nachgearbeitet werden. Auch dazu bietet es sich an, dies unter einem Binokular zu erledigen.
  9. Ist das Präparat rückstandsfrei gereinigt, überführt man es wieder in die Konservierungsflüssigkeit.
  10. Eine nachträgliche Bildbearbeitung ist nahezu unumgänglich. Etwaige mitfotografierte Schmutzpartikel müssen per Bildbearbeitungssoftware entfernt werden. Auch Bildkorrekturen (z.B. Farbstich, Helligkeit und Kontrast) sind oft notwendig.

Möglichkeiten und Grenzen von 3D-Visualisierungen

Mit der für das Projekt verfügbaren Hardware ist eine 3D-Visualisierung nicht möglich. Das verwendete Keyence Digital Mikroskop der Modellreihe VHX-5000 bietet zwar eine Option „3D“, doch ist dies bauartbedingt (Fotografie nur aus einem Winkel) lediglich ein virtuelles 3D zur Abbildung von Oberflächenreliefs.

Ein weiterer Aspekt ist das flüssig konservierte Präparat an sich. Dieses befindet sich ja zur Digitalisierung mit einer Fixierflüssigkeit in einem Gefäß und lässt somit keine Rundum-Ansicht zu, die für eine 3D-Grafik erforderlich wäre.